Mein Praxissemester in der Fachklinik Grafrath

Zwischen Empathie, Expertise und echter Begegnung

Was passiert, wenn Wissen, Empathie und Neugier auf den Arbeitsalltag in einer Rehaklinik treffen? Diese Erfahrung durfte Antonia Zeng als Praktikantin in der Fachklinik Grafrath hautnah erleben. Im Rahmen meines Studiums der Sozialen Arbeit war sie in der stationären Einrichtung zur Entwöhnungsbehandlung für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen ein halbes Jahr lang Teil eines engagierten Teams, das Menschen auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben begleitet – mit viel Herz, Respekt und einem offenen Ohr.

Vom Interesse zur Berufung

Das Thema Sucht hat mich von Anfang an fasziniert. Schon durch mein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) und die Theorie im Studium hatte ich erste Einblicke bekommen – doch im Praxissemester wurde aus Interesse echte Leidenschaft. Der Weg in die Fachklinik Grafrath war für mich kein Zufall: Während meines FSJ habe ich jemanden kennengelernt, der in der Fachklinik Alpenland gearbeitet hat – er hat begeistert von seiner Arbeit dort berichtet. Da beide Kliniken zu den Ordenswerken des Deutschen Ordens gehören und ich die Fachklinik Grafrath bereits kannte, habe ich mich dort beworben – erst für ein Orientierungspraktikum, später für das Praxissemester.

Kein Tag wie der andere

Eintönig wurde es nie. Im Gegenteil: Kein Arbeitstag glich dem anderen. Die meiste Zeit arbeitete ich in der Aufnahmeleitung – vom ersten Kontakt mit den zukünftigen Rehabilitandinnen und Rehabilitanden bis hin zum Aufnahmegespräch. Schon da konnte ich einen ersten Eindruck von den Patientinnen und Patienten gewinnen und miterleben, wie viele ihren Weg hier beginnen. Neben administrativen Aufgaben wurde es auch kreativ: Zusammen mit einer Kollegin durfte ich verschiedene Aktivitäten für die Patientinnen und Patienten organisieren und durchführen – vom Gips gießen und Blumentöpfe bemalen bis hin zum gemeinsamen Backen. Auch in vielen Gruppenangeboten konnte ich hospitieren, mitmachen und lernen. Besonders eindrucksvoll war für mich die Leitung von Entspannungsgruppen zur progressiven Muskelentspannung und zum autogenen Training, die ich stellvertretend übernehmen durfte – das war für mich eine sehr bereichernde Erfahrung.

Das eigene Projekt: Die Laufgruppe

Besonders ans Herz gewachsen ist mir aber ein eigenes Projekt: Eine Laufgruppe. Neun Wochen lang habe ich gemeinsam mit den Rehabilitandinnen und Rehabilitanden für ein Laufevent in Fürstenfeldbruck trainiert. Manche wollten das Laufen erst einmal ausprobieren, andere hatten sich fest vorgenommen, beim 5- oder 10-Kilometer-Lauf mitzumachen. Jede/r konnte Tempo und Distanz selbst wählen. Schnell wurde aus dem sportlichen Projekt mehr und es brachte die Gruppe näher zusammen. Alle hatten ein gemeinsames Ziel, haben sich gegenseitig motiviert und angefeuert. Nach dem Lauf waren alle stolz und glücklich, es geschafft zu haben. Für einige war der Lauf sogar der Anstoß, sich für ein weiteres Laufevent anzumelden. Diese Momente – das Strahlen, der Zusammenhalt, der Stolz – werde ich nie vergessen.

Wertschätzung, die ankommt

Während des Praxissemesters wurde mir immer wieder bewusst: In der Suchthilfe geht es nicht nur um die Suchtproblematik. Es geht vor allem um den Menschen dahinter – mit seiner Lebensgeschichte und seinen Beweggründen. Besonders berührt hat mich ein Gespräch mit einem Rehabilitanden, der erzählte, wie sehr ihm Anerkennung und Wertschätzung gefehlt hätten. Nach all den Vorwürfen aus seinem Umfeld hat ihm die Haltung hier – das Verständnis und der Zuspruch – unglaublich geholfen, wieder an sich zu glauben. Diese Grundhaltung, den Menschen mit seiner Geschichte und seinen Beweggründen zu sehen, zieht sich durch die Arbeit in der Fachklinik Grafrath wie ein roter Faden. Ich habe erlebt, wie respektvoll und unterstützend meine Kolleginnen und Kollegen mit den Menschen hier umgehen – das schafft Vertrauen, Motivation und neue Perspektiven.

Ein Fazit mit Zukunft

Ich habe unglaublich viel gelernt – fachlich, aber vor allem auch menschlich. Das Team hat mich sehr herzlich aufgenommen und mich bestärkt, diesen Berufsweg weiterzugehen. Ich würde dieses Praktikum jederzeit wieder machen. Es ist ein Feld voller Herausforderungen – aber auch mit großen Chancen, zu wachsen – an anderen und an sich selbst. Endgültig verabschiedet habe ich mich noch nicht von den Menschen hier in der Fachklinik Grafrath – nach dem Praxissemester bin ich weiterhin ehrenamtlich mit dabei.

 

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